Project Revival: Aus einer wirtschaftlichen Reparatur wurde ein Herzensprojekt
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Nicht jede Espressomaschine lässt sich wirtschaftlich reparieren. Gerade bei älteren Modellen kann der Umfang der notwendigen Arbeiten den Zeitwert der Maschine schnell übersteigen. Trotzdem bedeutet das nicht zwangsläufig das Ende.
Genau so begann dieses Projekt.
Der Ausgangspunkt
Die VBM Domobar kam ursprünglich mit dem Wunsch nach einer Reparatur zu uns in die Werkstatt. Nach der technischen Prüfung zeigte sich jedoch schnell das gesamte Ausmaß der Arbeiten.
Der Kessel war undicht, das Heizelement defekt und zahlreiche Dichtungen verschlissen. Hinzu kamen starke Kalkablagerungen sowie weitere altersbedingte Verschleißerscheinungen.
Nach der Kalkulation wurde deutlich, dass eine fachgerechte Instandsetzung in keinem sinnvollen Verhältnis mehr zum Marktwert der Maschine stehen würde. Gemeinsam mit der Besitzerin fiel deshalb die Entscheidung, auf eine Reparatur zu verzichten und stattdessen in eine neue Espressomaschine zu investieren.
Damit hätte die Geschichte eigentlich enden können.
Tat sie aber nicht.

Vom Reparaturauftrag zum Werkstattprojekt
Nachdem feststand, dass die Maschine nicht mehr instand gesetzt werden sollte, entschieden wir uns, sie als eigenes Projekt vollständig neu aufzubauen.
Nicht mit dem Ziel, möglichst günstig zu reparieren, sondern um zu zeigen, welches Potenzial selbst in einer technisch stark beanspruchten Espressomaschine steckt.
Dafür wurde die VBM bis auf den Rahmen vollständig zerlegt.

Kessel, Heizung, Elektrik, Wasserleitungen, Kupferrohre und sämtliche Anbauteile wurden demontiert. Übrig blieb lediglich die Grundstruktur der Maschine.
Ein neues Erscheinungsbild
Der Rahmen, das Gehäuse und die Tropfschale wurden anschließend sandgestrahlt und pulverbeschichtet.
Die Beschichtung erfolgte in Zusammenarbeit mit einer regionalen Werkstatt für Menschen mit Behinderung – eine Zusammenarbeit, über die wir uns besonders gefreut haben.
Natürlich lässt sich damit aus einer über Jahre genutzten Maschine kein fabrikneues Gehäuse machen. Kleine Unebenheiten und Gebrauchsspuren der ursprünglichen Substanz bleiben teilweise sichtbar. Gerade das gehört für uns jedoch zum Charakter einer solchen Maschine und erzählt ein Stück ihrer Geschichte.

Technisch praktisch neu aufgebaut
Während das Gehäuse seine neue Oberfläche erhielt, begann parallel der technische Neuaufbau.
Unter anderem wurden ersetzt oder vollständig überarbeitet:
- neuer Kessel
- neues Heizelement
- neue Vibrationspumpe inklusive Halterungen
- neue Wasserleitungen
- teilweise neue Kupferleitungen
- neue Flexleitung
- neues OPV
- sämtliche Dichtungen
- vollständige Revision der E61-Brühgruppe
- neuer Brühgruppenpilz
- neue Nocken der Brühgruppe
- neuer Siebträger
Nach dem Zusammenbau wurde die Maschine mehrfach aufgeheizt, wieder abgekühlt und erneut geprüft. Durch diese Temperaturwechsel setzen sich Dichtungen und Verschraubungen zunächst leicht. Anschließend wurden sämtliche Verbindungen nochmals kontrolliert und bei Bedarf nachgezogen.
Erst nachdem alle Prüfungen erfolgreich abgeschlossen waren, war das Projekt beendet.

Mehr als nur eine Reparatur
Dieses Projekt zeigt sehr gut, dass hochwertige Espressomaschinen nicht zwangsläufig ausgemustert werden müssen, sobald eine Reparatur wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll erscheint.
Mit ausreichend Zeit, technischem Know-how und der Bereitschaft, eine Maschine vollständig neu aufzubauen, kann daraus ein individuelles Einzelstück entstehen, das technisch wieder viele Jahre zuverlässig arbeiten kann.
Nicht jede Maschine eignet sich für einen solchen Neuaufbau. Aber manchmal lohnt es sich, genauer hinzusehen.